Meine Haltung und therapeutischen Schwerpunkte innerhalb der Autismustherapie und autismussensiblen Psychotherapie

Nicht jede*r Klient*in passt zu jeder (psycho)therapeutischen Person – und das ist absolut in Ordnung! Es wäre nahezu verrückt, wenn dies nicht so wäre, und alle Gehirne gleich gut miteinander „matchen“ würden. Ich bin daher der festen Überzeugung, dass es – auch im Sinne von Vorhersehbarkeit und der Möglichkeit rationaler Entscheidungsfindung – insbesondere für autistische Menschen wichtig ist, sich bereits vor dem ersten (meist ohnehin schon furchtbar aufregenden und energiezehrenden) „Angang“ der ersten Therapiesitzung ein möglichst umfangreiches Bild davon machen zu können, ob die therapeutische Person mit ihrer Haltung und ihren therapeutischen Methoden überhaupt für sie passend ist bzw. mit hoher Wahrscheinlichkeit passend sein könnte.
Denn erst eine tragfähige therapeutische Beziehung auf Augenhöhe stellt die Grundlage für auch anspruchsvollere Therapieinhalte dar.

Mir ist es wichtig, dass ein Gefühl von Sicherheit entstehen kann, indem wir uns auf Augenhöhe begegnen – völlig egal, ob wir dabei nun aneinander tatsächlich in die Augen blicken oder gemeinsam auf dem Boden sitzend aus dem Fenster schauen. In meinem Raum müssen keine gesellschaftlich erzwungenen Verhaltensweisen (wie z.B. still auf dem Stuhl zu sitzen, Blickkontakt zu halten, freundlich zu lächeln o.ä.) aufrecht erhalten werden; als Autismustherapeutin weiß ich, dass Ihre Aufmerksamkeit nicht davon abhängt, ob Sie mir gerade in die Augen schauen (und sich wahrscheinlich sogar besser entspannen sowie fokussieren können, wenn Sie es nicht tun) und Ihr Gefühl von funktionierender therapeutischer Beziehung oder inhaltlicher Zufriedenheit nicht an Ihrem Gesichtsausdruck ablesbar sein muss. Auch bin ich offen dafür, ob wir uns „duzen“ oder „siezen“, da ich der Überzeugung bin, dass professionelle Distanz nicht von einem „du“ oder „Sie“ abhängig ist; wenn Sie sich damit wohler fühlen und Sie sich besser entspannen können, ist daher auch die du-Form für mich völlig in Ordnung.

Therapeutische Schwerpunkte

Ich arbeite mit einem multimodalen Modell, das sich an den Bedürfnissen meines Gegenübers orientiert. Das bedeutet zum Beispiel: Auch, wenn wir uns schon gut kennen und die Phase des Beziehungsaufbaus bereits vor einiger Zeit erfolgreich abgeschlossen haben, kann es in Momenten hoher Anspannung, in Krisen oder generellen Belastungssituationen immer wieder dazu kommen, zur Ebene des Beziehungsaufbaus zurückzukehren, zu stabilisieren und ressourcenorientiert-entlastend zu arbeiten. Grundsätzlich bin ich verhaltenstherapeutisch orientiert und arbeite mit klaren, gemeinsam erarbeiteten Haupt- und Zwischenzielen, klarer Struktur, Absprachen und Transparenz in Bezug auf das kommende Vorgehen. Übergeordnetes Ziel ist immer, dass Sie als Patient*in / Klient*in Expert*in ihrer Neurodivergenz und Ihrer eventuellen psychischen Begleiterkrankungen werden, sodass Sie mit der Zeit lernen, diese in all ihren Facetten zu verstehen, und Methoden erlernen, sie aus eigener Kraft und Expertise heraus Schritt für Schritt meistern bzw. verbessern zu können. Was genau Sie individuell dafür brauchen, erarbeiten wir gemeinsam.

Bevorzugt arbeite ich dabei mit folgenden Methoden:

  • Psychoedukation
    (u.a. Aufklärung über Autismus / ADHS und ggf. Begleiterkrankungen; Auslöser sowie aufrechterhaltende Faktoren von Denk- und Verhaltensweisen; Verstehen von „Teufelskreisen“; Verstehen von physiologischen Vorgängen; u.a.)
  • Gesprächstherapie
    (mit Werten der Empathie, Akzeptanz und Wertschätzung)
  • Kognitive Verhaltenstherapie
    (u.a. Umstrukturierung dysfunktionaler Gedanken, Reframing, Arbeit mit dysfunktionalen Grundannahmen und Schemata)
  • Verhaltenstherapie
    (u.a. Angsthierarchien, Expositionstherapie, Selbstmanagement, Tagesstrukturierung)
  • Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT)
    (u.a. Wahrnehmen von Anspannung, Nutzung von Fidgettoys und Skills, Emotions- und Anspannungsregulation)
  • Akzeptanz- und Commitmenttherapie (ACT)
    (u.a. Akzeptanzübungen, Distanzerschaffung zu negativen Gedanken (Defusion), gezieltes Lenken der Aufmerksamkeit
  • Soziales-Kompetenz-Training (SKT)
    (u.a. Erlernen von Möglichkeiten zur Aufnahme sowie zum Aufrechterhalten von Freundschaften, Übungen zur Verbesserung von Perspektivübernahme, Auseinandersetzung mit Smalltalk (Sinnhaftigkeit, Methoden))
  • Entspannungsübungen
    (u.a. PME, Atemübungen)